Drachenschwanzbrücke

§

Urheber: Lena Fröhlich

Cc4BYNCSA

Drachen-
schwanz-
brücke

Drachenschwanzbrücke

Bitte drin lassen!

Das Gessental, das sich zu Füßen der Drachenschwanzbrücke erstreckt, hatte schon immer große Bedeutung für die Bewohner des Umlandes. Doch die Uranerzgewinnung der Wismut verwandelte es über Jahrzehnte in ein Abbaugebiet, das den Anwohnern verschlossen blieb. Die Brücke und das Tal, wie sie heute zu sehen sind, bestehen in dieser Form erst wieder seit der Wiederherstellung und Neugestaltung im Rahmen der Bundesgartenschau 2007. Doch welche, teils nicht mehr sichtbare Narben hat der Uranabbau im Gessental und an den Menschen hinterlassen?

Intro schon gehört?

Sie möchten wissen, welche Geschichte hinter dem WALK steckt und wie Sie ihn bedienen können? Hier können Sie sich eine Einführung anhören und danach zur Station zurückkehren.

Einführung
§ Cc4BYNCSA

Die Drachenschwanzbrücke

§

Soundübericht Drachenschwanzbrücke Track 1 BBC Sound Effects: Animals - Dragon roaring. (Specially created effect.) https://sound-effects.bbcrewind.co.uk/search?q=07037443 Track 2 BBC Sound Effects: Animals - Dragon's footsteps. (Specially created effect.) https://sound-effects.bbcrewind.co.uk/search?q=07037444 Track 3 BBC Sound Effects: train - diesel train exterior passes https://sound-effects.bbcrewind.co.uk/search?q=0009067 Track 4 BBC Sound Effects: Grinders: Stone Wheels - Interior, on 1st floor - mill grinds grain with tail stones, mill stops. https://sound-effects.bbcrewind.co.uk/search?q=07066024 Track 5 BBC Sound Effects: Demolition - Roar of falling debris. https://sound-effects.bbcrewind.co.uk/search?q=07058010 Track 6 BBC Sound Effects: Grassland - Midday on long grass plain, wind in grass, crickets, larks, pectoral-patch cisticolas, flies, bees and other insects. https://sound-effects.bbcrewind.co.uk/search?q=NHU05027067 Interviewmitschnitte Mitschnitt 1 Interview Ehepaar Pohle: Ronneburger weinen bei Wiederherstellung des Gessentals Mitschnitt 2 Interview Ehepaar Pohle: Enteignung durch die Wismut

Cc4BYNCSA

Transkription

Nur keine Angst. Natürlich hat die Drachenschwanzbrücke nichts mit echten Ungeheuern zu tun. Es ist leicht zu erkennen, dass sie den einprägsamen Namen ihrer besonderen geschwungenen Form verdankt.

Wie viele Orte in der Neuen Landschaft wurde sie im Rahmen der Bundesgartenschau 2007 errichtet und ist seitdem ein Touristenmagnet sowie ein Wahrzeichen der Stadt Ronneburg.

Folgen Sie nun den Schwüngen des Drachenschwanzes bis zur Mitte der Brücke. Bitte bleiben Sie dort bis zum Ende der Hörstation. Während Sie sich zur Mitte der Brücke begeben, können Sie einfach weiter hören.

Die Gesamtlänge der Holzkonstruktion beträgt 225 Meter. Dies entspräche der Strecke zum tiefsten Punkt des ehemaligen Lichtenberger Tagebaus. Bis in die 1990er Jahre erstreckte er sich als gähnendes Loch von einem Kilometer Breite und 2 Kilometer Länge im Tal unterhalb der Brücke.

Wenn Sie sich auf Ihrem Weg zum Mittelpunkt der Brücke umschauen, bekommen Sie einen guten Blick auf die Ronneburger Eisenbahnbrücke zur einen und das Gessental zur anderen Seite.

Dieses Tal hatte schon immer große Bedeutung für die Bewohner Ronneburgs und der umliegenden Ortschaften. Es bestand schließlich schon, bevor der rücksichtslose Uranerzabbau der SDAG Wismut die Landschaft nachhaltig veränderte.

„Zur Buga war das ja fertig die ‚Neue Landschaft‘ kann man sagen und da haben tatsächlich auf der Drachenschwanzbrücke, da haben alte Ronneburger Bürger gestanden und denen sind die Tränen gekommen, weil [...] das Gessental war wieder da.“ (Wolfgang Pohle)

Doch welche Veränderungen hat das Gessental durchgemacht, die so tiefgreifend waren, dass seine Wiederherstellung die Ronneburger so sehr berührte? Eine Zeitreise anhand heutiger Landmarken soll Ihnen einen Blick auf die oft nicht mehr sichtbare Vergangenheit eröffnen.

Wenn Sie noch nicht die Mitte der Brücke erreicht haben, können Sie den Hörtext jetzt kurz pausieren.



Wenden Sie sich nun zunächst der Seite mit der Eisenbahnbrücke zu.

Heute verkehren über diese Brücke die Züge, die Ronneburg mit der Umgebung verbinden. Vom Zug aus kann man den Ausblick über das Gessental und die Neue Landschaft genießen. Unter der Brücke führt ein Weg von Ronneburg ins Gessental.

Auch bevor die Wismut das Tal in ein Uranerz-Abbaugebiet verwandelte, lag hier der einzige Weg aus der Stadt in das Tal. Ähnlich wie heute wurde es schon zu dieser Zeit als Naherholungsgebiet genutzt. Außerdem war es der Anschluss Ronneburgs an die benachbarten Städte und Dörfer.

Auf dem Weg durch das idyllische Tal gelangte man, vorbei an verschiedenen Mühlen und Gehöften, sowie den Orten Lichtenberg, Gessen, Grobsdorf und Collis, bis nach Gera.

Zu dieser Zeit führte auch die Bahnlinie noch auf der anderen Talseite ungefähr auf Höhe der heutigen „Lichtenberger Kanten“ entlang.

Dies endete mit dem Uranabbau der Wismut. Von diesem Zeitpunkt an fiel das Tal bis zum Jahr 1976 Stück für Stück dem Tagebau zum Opfer. Als in diesem Jahr der Abbau nach Unter-Tage verlegt wurde, war vom Gessental nicht mehr viel übrig.

Die Eisenbahnlinie wurde umgeleitet. An der Stelle, an der Sie jetzt die Eisenbahnüberführung sehen, wurde dafür ein Damm aufgeschüttet und den Ronneburgern damit der Weg in ihren Erholungsort versperrt.

Das Tal selbst wurde militärisches Sperrgebiet und somit verloren vielen Menschen ein Stück Heimat.

Erst 2004, im Rahmen der Vorbereitungen zur Bundesgartenschau - kurz Buga - wurde der Eisenbahndamm abgetragen und durch eine neue Bahnbrücke ersetzt. Viele Bewohner Ronneburgs, die die Bauarbeiten verfolgten, konnten ihr Glück kaum fassen: Endlich war der Zugang in ihr Tal wieder geöffnet.

Doch nicht nur das Tal musste dem Uranhunger der Wismut weichen.

Drehen Sie sich nun zur anderen Seite, so dass Sie ins Gessental blicken können. Wenn Ihr Blick dem Weg ins Tal hinein folgt, werden Sie eine kleine Brücke entdecken, die den Gessenbach überspannt.

Rechts der Brücke können Sie vielleicht einen Mühlstein erkennen. Dort befand sich bis zu ihrem Abriss 1966 eine Getreidemühle, genannt Zweifelsmühle.

In der Zeit vor der Wismut war sie nur eine von vielen Mühlen in und um das Gessental. Manche wurden noch als solche genutzt, andere waren schon damals zu Gaststätten und Cafés für Ausflügler umfunktioniert worden.

Mit Beginn des Uranerzabbaus jedoch waren aber auch diese Zeiten vorbei. Viele der Mühlen mussten auf Druck der Wismut den Weg für weitere Abbaugebiete frei machen.

„Wenn die Wismut was gebraucht hat, dann haben die sich das genommen. Da wurden die Leute enteignet beziehungsweise entschädigt natürlich auch, aber weniger fürn Appel und n Ei. [...] Die Wismut war ja ein Staat im Staate und wenn die Wismut gesagt hat wir brauchen das, dann wurde das gemacht.“ (Wolfgang Pohle)

Wenn Sie mehr über das Verschwinden der Zweifelsmühle und das Schicksal ihrer Bewohner erfahren möchten, wandern Sie doch gerne zum Mühlstein. Dort gibt es eine weitere Hörstation zu diesem Thema.


Doch nicht nur die Mühlen, sondern ganze Ortschaften in und um das Gessental sind in Folge der Urangewinnung verschwunden.

Blicken Sie zur linken Talseite. Ihnen werden sicher die terrassenartig angelegten „Lichtenberger Kanten“ auffallen.

Ihre Form soll an die Fahrtrassen erinnern, die in den Tagebau hinein führten.

Wäre man dieser Talseite 1960 gefolgt, hätte man nach zwei Kilometern den Ort Gessen erreicht, der dem Tal seinen Namen gab.

Auch dieser musste, wie andere zuvor, wegen der Abbautätigkeiten aufgegeben werden. Bereits Mitte der 1960er war das Dorf nur noch eine “Halbinsel”, bedrängt durch die Nordhalde aus Abraummaterial des Urantagebaus auf der einen und Lehmabbau durch die Wismut auf der anderen Seite.

Die Sorgen der Bewohner um die Zukunft ihres Dorfes wurden von den DDR-Behörden lange abgewiegelt. Doch am 22.10.1966 geschah das Unglück:

Die 70 Meter hohe Nordhalde begann wegen ungenügender Sicherung zu rutschen. In nur 20 Minuten begrub sie mehrere Gebäude unter sich und nur durch Glück kamen keine Menschen zu Schaden.

Durch die folgende, überstürzte Räumung des Dorfes verloren alle Bewohner ihr Zuhause.

Wie dem Ort Gessen erging es vielen Ortschaften. Durch direkte oder indirekte Folgen des Uranbergbaus verschwanden sie für immer von der Landkarte. So auch der Ronneburger Ortsteil Schmirchau.

Wollen Sie mehr darüber erfahren, können Sie auf den Lichtenberger Kanten zur Gedächtniskapelle wandern. Dort finden Sie eine weitere unserer Hörstationen.


Lassen Sie jetzt ein letztes Mal den Blick über das Tal schweifen.

Zwischen dem Beginn der Uranerzförderung in den 1950ern und den letzten Rückbaumaßnahmen 2018 hat das Gessental gewaltige Veränderungen erlebt.

Von vielen Orten, die sich hier vor dem Erzabbau befanden, bleibt nur noch die Erinnerung. Auch vom Tagebau ist, dank der Sanierungsbemühungen und der Umgestaltung zur Buga, nicht mehr viel zu sehen.

Umso wichtiger ist die Erinnerung an das Vergangene, das heute unsichtbar ist: Die Hörstation möchte Sie auf die Wunden und Narben aufmerksam machen, die der häufig rücksichtslose Uranabbau in der Landschaft und an den Menschen hinterlassen hat - und die bis heute Nachwirken.

Ronneburg erhielt das Gessental zurück und die Sanierung der Landschaft kann als gewisse Wiedergutmachung angesehen werden. Doch nicht alles Verlorene kann zurückgegeben werden.

So erzählt das Tal bis heute nicht nur Geschichten von Wiederaufbau, sondern auch des Verlusts von Eigentum, Umwelt und Heimat.

§

Urheber: Lena Fröhlich

Cc4BYNCSA

Blick ins Gessental. Neben der kleinen Brücke ist der ehemalige Standort der Zweifelsmühle erkennbar.

§

Urheber: Lena Fröhlich

Cc4BYNCSA

Die Drachenschwanzbrücke ist schon von weitem erkennbar.

§

Urheber: Lena Fröhlich

Cc4BYNCSA

Blick entlang der geschwungenen Drachenschwanzbrücke.

§

Urheber: Lena Fröhlich

Cc4BYNCSA

Die Eisenbahnbrücke Ronneburg über dem heute nicht mehr sichtbaren Damm der Wismut, der einst den Zugang ins Tal versperrte.

§

Urheber: Lena Fröhlich

Cc4BYNCSA

Der Blick von der Drachenschwanzbrücke auf die Schmirchauer Kanten und ins Gessental.

Alle Stationen im Überblick

iFrames werden auf dieser Seite nicht unterstützt.

Bei Fragen und Anmerkungen, oder wenn Sie Ihre Geschichte mit der Wismut und der Neuen Landschaft mit uns teilen möchten, erreichen Sie uns per Mail. Alle Folgen können Sie auch bei Spotify anhören und herunterladen.