Gessenbach

Gessenbach in der Neuen Landschaft Ronneburg.
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Urheber: Tamara Bielesch

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Gessenbach

Gessenbach

Bitte drin lassen!

Im Verlauf der Geschichte Ronneburgs verÀnderten sich immer wieder Funktion und Nutzung, aber auch der Blick des Menschen auf das Wasser in der Region. Vor allem in Verbindung mit dem Uranerzabbau war es immer prÀsent: Sowohl als Chance, als auch als Herausforderung. Mit der Geschichte des Wassers wird eine Geschichte der Stadt und der Neuen Landschaft beleuchtet, die bis in die Gegenwart nachwirkt.

Intro schon gehört?

Sie möchten wissen, welche Geschichte hinter dem WALK steckt und wie Sie ihn bedienen können? Hier können Sie sich eine EinfĂŒhrung anhören und danach zur Station zurĂŒckkehren.

Intro
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Der Gessenbach

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Transkription

„Zuweilen ereignet es sich, daß die Wasser des Pohlteiches bei Kauern nahe Ronneburg brausend und schĂ€umend aufrauschen bis an die Wipfel der höchsten BĂ€ume, ohne daß die Ursache der Erscheinung noch entdeckt worden wĂ€re.“

Im „Sagenbuch des Voigtlandes“ aus dem Jahr 1871 finden sich einige Sagen ĂŒber das Wasser in der Region um Ronneburg. In den ErzĂ€hlungen tritt Wasser sehr unterschiedlich auf: Wasser kann ein außergewöhnliches Naturereignis sein, mystisch anmutende Geheimnisse verbergen, Menschen von Krankheiten heilen oder ihnen schaden. Auch abseits von sagenhaften ErzĂ€hlungen kann Wasser verschiedene Funktionen und Bedeutungen fĂŒr den Menschen haben, die sich im Wandel der Zeit auch verĂ€ndern. Wasser fasziniert – in der Vergangenheit wie in der Gegenwart.

Vor sich sehen Sie am Rand des Gessenbachs ein Schild:

„Aufgrund der Sanierungsarbeiten der Wismut ist das Baden, TrĂ€nken, Schwemmen und Schöpfen verboten.“

Von dem still plÀtschernden Wasser des Gessenbachs scheint eine unsichtbare Gefahr auszugehen. Seine Nutzung ist daher untersagt. Wie kam es dazu? In dieser Hörstation nehmen wir Sie mit auf eine Reise durch die Geschichte und Gegenwart des Wassers in Ronneburg.



Vor dem Uranerzbergbau schlĂ€ngelte sich der Gessenbach durch ein etwa zehn Kilometer langes Tal von Ronneburg in Richtung Gera. Sein Wasser war lange Zeit Antrieb und Existenzgrundlage fĂŒr sechs MĂŒhlen und ihre Besitzer. Unsere Station zur „ZweifelsmĂŒhle“ nimmt Sie mit auf eine Spurensuche und versucht, die Geschichte einer dieser MĂŒhlen teilweise zu entschlĂŒsseln.

Wasser war aber nicht nur fĂŒr die MĂŒhlen im Gessental von Bedeutung. Wegen seinen Mineralquellen kamen ab 1766 zahlreiche GĂ€ste nach Ronneburg. Dem mineralhaltigen sogenannten „Gesundwasser“ wurden beinahe magische KrĂ€fte zugeschrieben. Von Beginn an war die Nachfrage groß: Allein im Jahr 1766 wurden 40 000 Flaschen Mineralwasser aus der Urquelle abgefĂŒllt. So wurde Ronneburg in den folgenden Jahren zu einem Kurort. Es entstand ein Kurpark mit Badehaus. Nach einer anfĂ€nglichen BlĂŒtezeit folgte der RĂŒckgang des Kurbetriebs Ende des 19. Jahrhunderts. Konkurrierende BĂ€der waren leichter zu erreichen und besaßen grĂ¶ĂŸere Kuranlagen.

Im Jahr 1913 jedoch gab es erneut Grund zur Hoffnung fĂŒr das Ronneburger Bad, als ein Radiumforscher der Bergakademie die RadioaktivitĂ€t der Urquelle und der Eulenhofer Quelle feststellte. Mit dem radioaktiven Wasser konnte man sich von anderen BĂ€dern abgrenzen. Zudem ergaben sich neue Therapiemöglichkeiten, die wieder mehr GĂ€ste anlocken sollten. Im Jahr 1935 endete der Badebetrieb endgĂŒltig – die Quellen und ihre heilende Wirkung verloren an Bedeutung. Vor allem die RadioaktivitĂ€t des Quellwassers war jedoch ein Hinweis auf das, was zu dieser Zeit noch verborgen unter der Erde Ronneburgs eingelagert war: ĂŒber 100 000 Tonnen Uran in Form von Erz. Mit dem Beginn des Erzabbaus in den 1950er-Jahren versiegten auch die Mineralquellen.



Wasser bekam durch den Bergbau eine grundlegend neue Bedeutung. Es wurde zum Freund und Feind des Bergarbeiters. Einerseits erleichterte es die Arbeit unter Tage: Nassbohrungen verringerten die Staubbelastung fĂŒr Bergleute. Endogene BrĂ€nde in den Gruben wurden mit einer Mischung aus Wasser und Lehm eingedĂ€mmt. Außerdem wurde Wasser in der Aufbereitungsanlage SeelingstĂ€dt unweit von Ronneburg dazu verwendet, das geförderte Erz zu zerkleinern. Andererseits stellte Wasser fĂŒr den Erzabbau ein Problem dar: FĂŒr die Erzförderung musste der Grundwasserspiegel kĂŒnstlich abgesenkt werden. Das anfallende Grubenwasser wurde im Abbau unter Tage dauerhaft abgepumpt, um ein Volllaufen der SchĂ€chte und Stollen zu vermeiden. Als Folge löste Wasser umweltschĂ€dliche Stoffe in den Gruben aus und trug diese an die OberflĂ€che. Eisen verlieh dem austretenden Wasser eine rotorange Farbe, die seine Verschmutzung sichtbar machte. Dadurch fĂ€rbte sich auch der Gessenbach tieforange.

Orangerotes Wasser bahnte sich auch nach dem Ende des Uranerzbergbaus einen Weg aus den Gruben an die OberflĂ€che. Diese Austrittsstellen waren eine Begleiterscheinung der Sanierung. FĂŒr die Sanierung der Bergbaubetriebe unter Tage wurde das weitverzweigte Grubennetz kontrolliert geflutet, um weitere SchĂ€den an der Umwelt zu vermeiden. Wasser wurde dadurch ab den 1990er-Jahren abermals zum Hilfsmittel – diesmal jedoch fĂŒr die EindĂ€mmung der Folgen des Bergbaus. Mit der Abschaltung der Pumpen sollte sich der Wasserspiegel wieder auf den ursprĂŒnglichen Stand einstellen. Doch trotz genauer Überwachung kam es im Gessental mehrmals zum Austritt von orange eingefĂ€rbten und mit Schwermetallen kontaminiertem Grubenwasser.

Die gefluteten Stollen und das Wasser mĂŒssen kontinuierlich ĂŒberwacht werden: Allein um Ronneburg gibt es dazu 48 Messstellen, die von der Wismut GmbH betrieben werden. Um weitere Austritte von Grubenwasser zu verhindern, wird ĂŒberschĂŒssiges Wasser aus den gefluteten Stollen zur Wasseraufbereitungsanlage Ronneburg unweit der Neuen Landschaft gepumpt. Dort wird das abgepumpte Wasser aus dem Gessental in einem mehrschrittigen Verfahren behandelt und anschließend in den Bach Wipse eingeleitet.


Am Gessenbach zeigt das „Baden Verboten“-Schild jedoch, dass eine Nutzung des Wassers im Gessental in bestimmten Bereichen noch immer nicht ohne Bedenken möglich und sogar verboten ist. Austritte von Grubenwasser sind selten – aber dennoch möglich.

Mit bloßem Auge ist diese Geschichte des Wassers nicht unmittelbar erkennbar. Im Gessenbach bleibt daher das „Baden verboten“.

Gessenbach in der Neuen Landschaft Ronneburg.
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Urheber: Tamara Bielesch

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Gessenbach in der Neuen Landschaft Ronneburg.

“Baden-Verboten”-Schild in der NĂ€he des Gessenbachs.
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Urheber: Juliane Tomann

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“Baden-Verboten”-Schild in der NĂ€he des Gessenbachs.

Verschiedene Abbildungen von Kuranlagen des Mineralbads Ronneburg in der Ausstellung des Stadtmuseums Ronneburg.
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Urheber: Tamara Bielesch

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Verschiedene Abbildungen von Kuranlagen des Mineralbads Ronneburg in der Ausstellung des Stadtmuseums Ronneburg.

Druckgrafik der “Staatlichen Mineralquellen Bad Ronneburg” in der Ausstellung des Stadtmuseums Ronneburg.
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Urheber: Tamara Bielesch

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Druckgrafik der “Staatlichen Mineralquellen Bad Ronneburg” in der Ausstellung des Stadtmuseums Ronneburg.

GebÀude der Pumpstation Gessental.
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Urheber: Tamara Bielesch

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GebÀude der Pumpstation Gessental.

Orange RĂŒckstĂ€nde von ausgetretenem Grubenwasser an der Pumpstation Gessental.
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Urheber: Tamara Bielesch

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Orange RĂŒckstĂ€nde von ausgetretenem Grubenwasser an der Pumpstation Gessental.

Blick von der Schmirchauer Höhe auf die Wasseraufbereitungsanlage Ronneburg.
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Urheber: Tamara Bielesch

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Blick von der Schmirchauer Höhe auf die Wasseraufbereitungsanlage Ronneburg.

Wasseraufbereitungsanlage Ronneburg unweit der Schmirchauer Höhe.
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Urheber: Tamara Bielesch

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Wasseraufbereitungsanlage Ronneburg unweit der Schmirchauer Höhe.

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