Wo einst ein riesiger Krater und Kegelhalden die Region kennzeichneten, erstreckt sich heute die âNeue Landschaftâ. Unter ihren blĂŒhenden Wiesen verborgen liegen die Geschichten und Erinnerungen, die vom ehemaligen Tagebau Lichtenberg zurĂŒck geblieben sind. Sie erzĂ€hlen von Beginn und Ende des Bergbaus in Ronneburg, dem Wandel durch Sanierung und die Bundesgartenschau und dem Aufbruch zu etwas Neuem.
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Die Geschichte der Landschaft, die Sie heute vor sich sehen, ist geprĂ€gt von Ende und Neuanfang, von Wandel und RĂŒckkehr. Auch wenn Wiesen, StrĂ€ucher und BĂ€ume heute das Landschaftsbild prĂ€gen, liegt unter der ErdoberflĂ€che die Bergbauvergangenheit Ronneburgs verborgen. Im sogenannten Tagebau Lichtenberg wurde hier ab den 1950er Jahren durch das sowjetisch-deutsche Bergbauunternehmen Wismut Uranerz abgebaut. Es entstand ein Tagebauloch mit einem AusmaĂ von etwa 1 Kilometer Breite auf 2 Kilometer LĂ€nge und einer Tiefe von bis zu 230 Meter.
Bereits in den spĂ€ten 1960er Jahre war von Seiten der Wismut begonnen worden, den Tagebaubetrieb nach und nach zu reduzieren. Gleichzeitig wurden Teile des beim Abbau entstandenen Abraums wieder verfĂŒllt. Dies geschah mit einer Innenkippe, die den Abraum wieder unter Tage transportierte. So wurden bis zum offiziellen Ende des Tagebaubetriebs 1976 bereits 80 Millionen Kubikmeter verfĂŒllt.
Danach blieben der Krater und die Halden, die der Uranerzbergbau hinterlassen hatte, bis 1990 nahezu unberĂŒhrt. WĂ€hrend dieser Zeit begann nicht nur die Natur, sondern auch die Ronneburger sich das zuvor fĂŒr die Ăffentlichkeit gesperrte GelĂ€nde als einen Teil des tĂ€glichen Lebens zurĂŒckzuerobern. Aus ihren Erinnerungen berichten die Ronneburger von GĂ€rten, Obstplantagen und Schafzucht an den SĂŒdhĂ€ngen des ehemaligen Tagebaulochs und vom Pilzesammeln auf den umliegenden Halden.
Nach der Wiedervereinigung zog sich der sowjetische Teil der Wismut zurĂŒck und die Bundesrepublik Deutschland ĂŒbernahm die Verantwortung fĂŒr die Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaus in Ronneburg. Der rund 230 Meter tiefe Krater des ehemaligen Tagebaus Lichtenberg wurde zum Sanierungsprojekt. Haldenrutschung, Grundwasser- und Luftverschmutzung sowie radioaktive Strahlung sollten unterbunden werden.
FĂŒr die Bundesrepublik wurde der Tagebau Lichtenberg zu einem fast drei Jahrzehnte andauernden GroĂprojekt. Ăber die Fragen der Finanzierung und Behebung der UmweltschĂ€den hinaus, wurde vor allem auch die Nachsorge zu einem zentralen Thema, das die Gegenwart und die Zukunft des GelĂ€ndes noch viele Jahre prĂ€gen wird.
Ein wichtiger VerantwortungstrĂ€ger war der ehemalige CDU-Politiker Klaus Töpfer. Töpfer war von 1987 bis 94 Bundesminister fĂŒr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. In dieser Zeit setzte er sich intensiv fĂŒr Fragen des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit ein. Im Oktober 1990 besuchte Töpfer den ehemaligen Tagebau Lichtenberg. Dort sprach er mit den Beteiligten ĂŒber die Herausforderungen sowie die Chancen der Sanierung.
Unweit des Ortes, an dem Sie heute auf die sanierte Landschaft ĂŒberblicken, liegt der âTöpferblickâ. Es ist der Ort, an dem Klaus Töpfer 1990 stand und in den Krater blickte. Dessen Anblick schien ihn tief zu ergreifen und er soll gesagt haben: âDas alles ist unglaublich.â SpĂ€ter wurde der Ort nach Töpfer benannt, der als Stellvertreter fĂŒr die politischen, bau- und umwelttechnischen und sozialen Herausforderungen der Sanierung gilt.
Basierend auf jahrelanger Erfahrung und Fachwissen entwickelte die Wismut gemeinsam mit der Bundesregierung ein Sanierungs- und Finanzierungskonzept. Die Entscheidung fiel auf eine vollstĂ€ndige TagebauverfĂŒllung. Ende 1990 begannen die Sanierungsarbeiten. Daran waren auch viele der ehemaligen Wismut-Mitarbeiter beteiligt. Bei der Sanierung wurden Teile der ehemaligen SchĂ€chte geflutet,der GroĂteil des geförderten Materials wieder unter Tage gebracht und spezielle Sicherheitskonstruktionen und Abdeckungen errichtet.
FĂŒr das Laden, Transportieren und Einbauen des Haldenmaterials waren groĂe und leistungsstarke Baumaschinen nötig. Insgesamt 75 riesige Muldenkipper, Bagger und Radlader waren dabei im Einsatz. Mit diesen konnten tĂ€glich bis zu 40.000 Kubikmeter Material transportiert werden.
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und betrachten Sie den Reifen neben Ihnen. Er stammt von einem der ehemaligen RĂ€umfahrzeuge. Die GröĂe des Reifens lĂ€sst das AusmaĂ der Maschine, zu der er einmal gehörte, erahnen. Insgesamt wurden mit diesen Maschinen bis 2008 rund 135 Mio. Kubikmeter Material auf das GelĂ€nde des ehemaligen Tagebaus Lichtenberg umgelagert.
Die Frage der Nachnutzung des GelĂ€ndes war lange ungeklĂ€rt. Die Sanierungsarbeiten zielten auf den RĂŒckbau und die Nachsorge der entstandenen UmweltschĂ€den ab, nicht aber auf eine Neugestaltung des GelĂ€ndes. Viele Ronneburger wĂŒnschten sich eine neue Natur- und Kulturlandschaft, die an das Leben vor dem Bergbau anknĂŒpfen sollte.
Diesem Wunsch kam man schon 1997 nĂ€her. Noch wĂ€hrend der Sanierungsarbeiten bekam Ronneburg den Zuschlag, die Bundesgartenschau 2007 zusammen mit Gera auszurichten. Die Bundesgartenschau, kurz BUGA, findet alle zwei Jahre an wechselnden Austragungsorten statt und ist eine Ausstellung zum Thema Gartenbau, Landschaftsarchitektur und Botanik. An den Austragungsorten werden dafĂŒr prachtvolle Gartenanlagen gestaltet. FĂŒr die BUGA 2007 wurde so auch das GelĂ€nde des ehemaligen Tagesbaus Lichtenberg ausgewĂ€hlt.
Mit der BUGA erhielten die Sanierungsarbeiten am ehemaligen Tagebau Lichtenberg eine neue Dimension. Es galt nicht nur die Hinterlassenschaften des Bergbaus zu sanieren, sondern eine âNeue Landschaft Ronneburgâ zu gestalten.
2003 begannen die Landschaftsarchitekten der Firma Fagus mit der Planung und Umsetzung. Dabei sollte die Bergbauvergangenheit gestalterisch in die âNeue Landschaftâ einflieĂen. Man wollte durch die markante Gestaltung Neugierde fĂŒr die Geschichte des Ortes wecken. Dies geschah z.B. durch die aufgeschĂŒttete âSchmirchauer Höheâ, die neu geformten âLichtenberger Kantenâ, die die HĂ€nge des ehemaligen Tagebaus imitieren, oder durch den âEntdeckerturmâ als Förderturm.
Im April 2007 wurden rechtzeitig zu BUGA-Beginn die letzten BaumaĂnahmen abgeschlossen. Das BUGA-GelĂ€nde erstreckte sich vom âRittergutâ mit dem Rosengarten und dem âRonneburger Balkonâ bis hin zur âDrachenschwanzbrĂŒckeâ, die das GelĂ€nde ĂŒber das Gessental hinweg mit weiteren Ausstellungsbereichen verband. Mehr zu den einzelnen Orten erfahren Sie jeweils an den gleichnamigen Hörstationen.
Viele Ronneburger wirkten nicht nur bei den Vorbereitungen, sondern auch bei der Austragung aktiv mit. Fast 1,5 Mio. Besucher kamen bis Oktober 2007 auf das BUGA-GelÀnde Ronneburg-Gera.
Nicht nur die Rolle als âguter Gastgeberâ erfĂŒllte die Stadt mit Stolz. Das Zusammenwirken aus Sanierung und âNeuer Landschaftâ hatte zu einem neuen Selbstbewusstsein gefĂŒhrt. FĂŒr viele Ronneburger bedeuten BUGA und Sanierung noch heute den Beginn eines neuen Kapitels der Stadtgeschichte. FĂŒr viele ist es aber auch ein RĂŒckbesinnungspunkt an die Zeit vor dem Uranerzbergbau.
Heute wird die âNeue Landschaftâ von Ronneburgern und Touristen als Erholungsgebiet genutzt. Auch wenn die sanierte Landschaft auf den ersten Blick nicht die Vielschichtigkeit ihrer Vergangenheit offenbart, liegen doch - mehr oder weniger tief - in ihr zahlreiche Erinnerungen verborgen. Teilen Sie doch gerne genau diese Erinnerungen an die âNeuen Landschaftâ in einer E-Mail an audiowalk.uniregensburg@gmail.com mit. Wir freuen uns!
Der Rosengarten der BUGA 2007 am Eingang âRittergutâ.
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